Serie „Memoria“ und „Espacios de Esperanza“ („Erinnerungsbilder“ / „Hoffnungsräume“)

 

En azul

50 cms x 70 cms

Buscar el porque

50 cms x 70 cms

Amarillo

60 cms x 80 cms

Miradas

60 cms x 80 cms

Sin titulo

65 cms x 80 cms

Una pareja -

60 cms x 80 cms

La vida futura

60 cms x 80 cms

Personas tranquilas -

75 cms x 65 cms

Jardin de flores

60 cms x 80 cms

Laberinto y colores

60 cms x 80 cms

Aquel pensamiento

50 cms x 70 cms

Juntos

70 cms x 100 cms

Sin titulo

70 cms x 100 cms

Cruzando el muro

70 cms x 100 cms

Juntos

70 cms x 100 cms

„Erinnerungsarbeit besteht in dem unendlich schwierigen Versuch, zu wissen, zu imaginieren und Erfahrungen Sinn abzugewinnen, die man selbst nicht gemacht hat.“
James E. Young (2002: 17)
Arte y Memoria

Hat die Kunst die Aufgabe, sich einzumischen in gesellschaftliche Zusammenhänge, in Erinnerungsarbeit? Und wenn ja, wie? Mahnend, tröstend, beschwichtigend, aufrüttelnd, provozierend?
Wie bewahrt sich Kunst davor zum Pamphlet zu werden und der Künstler zum Agitator?

Wenn man davon ausgeht, dass Kunst ein Instrument, eine Möglichkeit darstellt, die Wirklichkeit, die Welt und ihre sozialen und ökologischen Zusammenhänge auf einer anderen Bewußtseinsebene als die rational – wissenschaftliche abzubilden, auf einer Ebene der Ästhetik, der Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit, auf der Ebene der seelischen und emotionalen Zwischenräume, dessen was nicht in Fakten, Statistiken und Skalen ausgedrückt werden kann. Eine Ebene, die gleich der einer religiösen oder spirituellen, das Raum.- Zeit – Verhältnis außer Kraft setzt und uns zum Überindividuellen durch die Setzung des einzelnen Subjekts und des Subjektiven gelangen lässt, dann lautet die Antwort: ja, sie kann - und sie muss.

Nicht als Einmischung in Tagespolitik und nicht in der Parteinahme, sondern in der Dimension von ethischer Verantwortung vor der Welt und dem menschlichen Sein, als Erweiterung des Spielraumes und des kollektiven Bewusstseins.
In diesem Sinne steht z.B. Picassos Werk „Guernica“. Seine eigene politische Zugehörigkeit ist dabei unerheblich und letztlich auch der Zeitkontext. Das Bild steht für sich als Mahnung vor der Grausamkeit des Krieges, gibt Zeugnis von Brutalität und Unmenschlichkeit. Der Kontext „spanischer Bürgerkrieg“ wird erst in der Betrachtung des Zuschauers hergestellt und die kulturhistorische Bestimmung erfolgt aus der gesellschaftlichen Akzeptanz der Anderen, die als Erinnerungsbild annehmen und damit Sinn zuschreiben. Andere allgemein präsente Beispiele sind Franciscos de Goyas Bild „Die Erschießung der Aufständischen“, oder Käthe Kollwitz „Die Bürger von Calais“ oder in etwas anderm Sinne Edward Munchs „Der Schrei“. Andere Beispiele sind in die chilenischen und mexikanischen Wandbilder.
Joseph Beuys spricht von der „Sozialen Plastik“ als Vorstellung einer gesellschaftsverändernden Kunst. „Jeder Mensch kann durch kreatives Handeln zum Wohle der Gesellschaft beitragen und dadurch plastizierend auf die Gesellschaft einwirken“. Dieser kreative Akt geschieht auch in Rezeption eines Bildes als Widerstandsmodell zur Realität.

Der deutsche Schriftsteller und Maler Peter Weiss erklärt das so: „Da nämlich das vergangene Geschehen der Erfahrung des Einzelnen nicht zugänglich ist, bedarf es eines Mediums der Vermittlung. Dabei vermag das Bild, im Unterschied zur Rekonstruktion von Daten und Fakten durch Sprache, Augenblicke der Geschichte momenthaft im Zwischenraum von Immer-Noch und Schon-Nicht-Mehr zu erfahren.“ (Max Reithmann, „Das Subjekt am Ort der Geschichte“, PeterWeissJahrbuch 2005). Es bedarf auf der anderen Seite des Bildes denjenigen, der dieses Dazwischen erahnen und erfühlen kann und im durch seine eigene Erinnerungskraft Deutung und Sinnhaftigkeit verleiht.


In seiner Kunst versucht Alberto Jerez die kolumbianische Wirklichkeit der letzten Jahrzehnte zu erfassen, sich dem Drama der Gewalt aus der Perspektive der Verschwundenen, der Ermordeten anzunähern. Es geht dabei nicht um realistische Darstellung von Unmenschlichkeiten. Der Kontext wird kaum angedeutet. Es geht um die Lücke, die diese Menschen hinterlassen, um die Einsamkeit und Anonymität ihres Todes. Die täglichen Nachrichten von Massakern, die offiziellen Todesstatistiken, deren Kategorisierungen, die Berichte von Menschenrechtsorganisationen, die Erfassung von „Fällen“, sie alle verdammen das einzelne Opfer trotz allem Bemühen der Namenlosigkeit, der Abstraktion.


So sehen wir in seinen Bildern aus dem Zyklus „Silhouetten und Schatten“ auch nur Umrisse, die wir zu menschlichen Gestalten deuten. Gesichtslos, namenlos, zeitlos – und doch erzählt jedes einzelne Bild eine Geschichte.
Erinnerungsbilder – Hoffnungsbilder nennt er sie. Es geht nicht um Anklage, es geht um Verstehen. Verstehen von dem, was unsagbar ist: Trauer, Angst, Einsamkeit und die Andeutung eines Horizonts: dass die Opfer nicht vergeblich sind.
In seinen Installation wie der „Gedächtniskoffer“ werden den Fotografien von politischen Opfern ihre Namen zurückgegeben.


Alberto Jerez lebt seit über 20 Jahren in Deutschland, einem Land, das sich wie kein anderes seiner Vergangenheit und deren Last an Unmenschlichkeit, Grauen, Leiden wie auch der Verantwortung dazu stellen musste. Seit der Nazi-Gewaltherrschaft und dem durch sie verursachten Krieg sind an die 70 Jahre vergangen und noch immer ist die deutsche Gesellschaft auch in die dritte und vierte Generation hinein damit beschäftigt, Erinnerungsarbeit zu leisten
Ohne die Aufarbeitung der Vergangenheit, ohne sich den dunklen Schatten zu widmen, sich ihnen auszusetzen und ihnen zu begegnen, ist eine menschliche Zukunft nicht möglich.
Wie oft in der Geschichte vermischen sich Täter und Opfer in wechselseitiger Beziehung, verklären sich die Erinnerungen, wird beschönigt, gereinigt und entschuldigt – um weiterleben zu können. Sich dem zu stellen, ist die Aufgabe einer Gesellschaft, die mit sich ins Reine kommen will.

Der deutsche Historiker Jörg Friedrich meint dazu: „Mensch und Unmensch sind unzertrennlich“ Sie wechseln nach den Umständen ineinander, die wenigsten finden Halt. Wen die Zeitläufe nicht prüften, mag den Gescheiterten Fratzen malen. Die aus der Vergangenheit gelernt haben, müssen aber verstehen, was Geschichte ist, nämlich ein beschränkter Horizont.“ (Vorwort in „Kalte Amnestie“, 2007)

Sich diesem Horizont aber nicht zu stellen, ihn nicht zu erweitern sondern ihn auf sich selbstbezogen zu verengen, bedeutet, darauf zu verzichten, unser Menschsein zu erweitern.

Marina Wieland

 
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